23. September 2017

Unter unter den Linden

 
(Quelle: Amazon)

Die Autorin Nike Mangold lebt zurückgezogen mal hier und mal dort. Sie besitzt Steckdosenadapter für die meisten Regionen der Erde und braucht zum Glücklich Sein nur ihren Schreiblaptop und starken Kaffee. Unter Unter den Linden ist eine Dystopie, verpackt in einen Jugendroman, welcher von Julia und Tim in der etwas anderen Hauptstadt Berlin handelt.
 
Julia zieht mit ihrer Familie von der Landeinöde in die heruntergekommene Hauptstadt Berlin. In der Schule lernt sie Tim kennen, der ihr von der geheimen Stadt Unter Unter den Linden erzählt und versucht mit ihr gemeinsam dort hinzugelangen. Doch dieses Vorhaben ist verbunden mit vielen Gefahren…
Klappentext:
Im Jahr 2120 gibt es an der Ostseeküste kaum noch Menschen. Mit ihren fünfzehn Jahren kennt Julia außer ihrer Familie bloß eine Handvoll Nachbarn. Internet und Verkehrsnetze sind längst zusammengebrochen. Nur der gelegentliche Besuch eines Boten oder Händlers bringt Nachrichten aus dem Rest des Landes.
In der Hoffnung auf ein besseres Leben gehen Julia und ihre Familie nach Berlin. Aber die Hauptstadt verfällt ebenfalls. Immerhin kann Julia die Schule besuchen. In der Abschlussklasse trifft sie auf Tim und seine Freunde und erfährt von einem geheimen Ort, an dem die Stadt weiterlebt: Unter Unter den Linden. Ihn zu erreichen, ist gefährlich und eine Rückkehr ungewiss.
Tim bereitet sich seit Jahren auf den Abstieg dorthin vor und will Julia mitnehmen. Was hat sie zu verlieren? Sie sieht ihre Eltern scheitern und schließt sich ihm an.

Die Kapitelüberschriften enthalten die Kernaussage des Abschnitts oft als Metapher und außerdem gibt es eine Orts- und Datumsangabe für die Szenenumrahmung. Im Allgemeinen spielt die Geschichte quasi in der Zukunft, was durch ehrfürchtige und zum Nachdenken anregende Rückblick auf Vergangenheit veranschaulicht wird. Erzählt wird in der dritten Person hauptsächlich aus der Sicht von Julia, aber auch allgemein wie durch einen unabhängigen Erzähler. Außerdem herrscht eine geheimnisvoll und triste Grundstimmung – sprich die Ruhe vor dem Sturm.

Die Jugendliche Julia ist sehr neugierig, aber vorsichtig und intelligent. Ihre Schwester Josephina hingegen hat einen beinahe zerbrechlichen, kindlich naiven sowie niedlichen und extrem wissbegierigen Charakter. Die Mutter Anne scheint verbittert, in sich gekehrt, ist aber dennoch mütterlich fürsorglich. Tim bildet den Kontrast zu den Damen: er wirkt geheimnisvoll, übervorsichtig, eingeschüchtert aber schlagfertig und offen. Bela, der Vater der Mädchen, verbirgt etwas, scheint vom Lügen zu leben, trägt aber auf seine Art Verantwortung. Insgesamt sind alle Protagonisten eine bunte Mischung an Temperamenten.

Weiters ist der Schreibstil des Autors leicht und verständlich mit eher jugendlicher Sprache, etwa wie Julias und Tims Alter sowie verwendet er zum Teil schlichte Ausdrucksweisen und dennoch einen starken Wortschatz. Schön schillernde Szenengestaltungen finden durch fantastische Metaphern statt. Landschaften, die Umgebung sowie Handlung werden intensiv und detailliert beschrieben. Teils etwas zu viel Fokus auf diese, da der wesentliche Inhalt verloren geht.


Gute Gedankenmonologe mit Tiefgang sowie überschwängliche Gefühle wechseln sich mit Humor bzw. Situationskomik sowie reichlich Ironie und Sarkasmus ab. Dies lockert die ernsten Szenen etwas auf. Starke Kontroversen -Land trifft Stadt, Esel trifft Auto, Fortschritt prallt auf Landleben, Armut jagt Reichtum – sind erheblich und stimmig vertreten. Teilweise gibt es skurrile Ansichten, die meiner Meinung nach etwas unpassend sind.

Kleine Zeitexkurse in die Vergangenheit werden durchgeführt um einen vielfältigeren Einblick in die Hintergrundgeschichte zu bekommen. Außerdem gibt es faszinierende Einblicke in den Kopf von psychisch-labilen Personen, welche z.B. durch Pillen verschleiert sind – sehr authentisch durchgeführt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Einstieg durch die gewählte Erzählperspektive leicht gelingt und man merkt bald um was es geht. Es stockt zu Beginn etwas, bis die Geschichte richtig ins Rollen gerät. Es kommt einen ein bisschen wie Kaugummi vor: man zieht und zieht, es wird immer länger, bis er reißt und die Geschichte davonrast. Dennoch gerät auch das Ende ins Stocken, man fiebert mit aber so richtig kommt nicht die gewollte Dramatik auf.

Unter unter den Linden ist ein spannender und zum Denken anregender Jugend-Dystopie-Roman mit einer sehr ernsten Thematik. Es ist nicht nur eine Dystopie sondern auch ein Abenteuer zweier jungen Menschen, die mit überschwänglichen Gefühlen, guten Gedankenmonologen sowie teils skurrilen Ansichten überzeugen können.
Das Buch erinnerte mich stark an das Buch „Perfect“ von Cecelia Ahern, welches ebenso von einer perfekten Welt handelt, die nur der „Elite“ gehören soll.

(Ein Dank an Nike Mangold für das Rezensionsexemplar.)


Unter Unter den Linden erhält von mir 3 von 5 Blüten.



Titel: Unter Unter den Linden: Dystopie
Autor: Nike Mangold
Erscheinungsdatum: 08.06.2017
Verlag: Independently published
ISBN: 1521460272
Seiten: 241
Sprache: Deutsch
Preis: € 2,99 Kindle-Ebook / € 8,55 PP

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